Wasserschutzpolizei „Manchmal treffen wir Wildschweine im Wasser“

Susanne Suchy

Was haben vollgelaufene Kanus, Bomben und Wildschweine gemeinsam? Kinderreporterin Merle (10 Jahre) und Kinderreporter Luis (10 Jahre) haben es bei bei der Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen herausgefunden.

Merle: Haben Sie schon mal ein Kind aus dem See gerettet?
Markus Precht: Ja! Sie saßen mit ihrer Familie in einem Kanu. Während der Fahrt ist das Kanu mit Wasser vollgelaufen. Die Familie war sehr froh, dass wir gekommen sind und sie mitsamt Kanu aufs Polizeiboot geholt haben.

Luis: Welche Aufgaben hat die Wasserschutzpolizei?
Markus Precht: Unsere ganz spezielle Aufgabe ist die Seenotrettung. Sobald zum Beispiel auf dem See die Lichter für Starkwind- oder Sturmwarnungen angehen – so wie heute – fahren wir mit den Polizeischiffen raus. So sind wir schnell da, falls Menschen in Not geraten, weil wegen des Sturms ein Segel gerissen ist oder etwas ähnliches. Aber wir machen auch Streifendienst. Wir kontrollieren Bootsführerscheine, schauen ob Rettungswesten und Feuerlöscher an Bord sind, keiner zu schnell oder betrunken das Boot steuert und vieles mehr.

Luis: Und wenn jemand nachts Hilfe braucht?
Markus Precht: Wir sind das ganze Jahr, bei jedem Wetter, zu fast jeder Uhrzeit unterwegs. Spätabends und nachts gibt es einen Bereitschaftsdienst. Der wird sofort verständigt, falls jemand auf dem See den Notruf wählt und Hilfe braucht.

Merle: Müssen Sie auch unter Wasser arbeiten?
Markus Precht: Bei jeder Wasserschutzpolizeistation gibt es Polizeitaucher. Das ist eine freiwillige Aufgabe, weil man sehr lange dafür ausgebildet werden muss. Die Taucher suchen Leute, die im Wasser verschwunden sind, oder Beweismittel. Manchmal haben wir Hinweise, dass Tatwaffen wie Messer und Pistolen ins Wasser geworfen wurden oder auch Dinge, die jemand gestohlen hat. Außerdem bergen wir im Bereich um Friedrichshafen relativ häufig Stabbrandbomben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Luis: Haben Sie unterschiedliche Schiffe?
Markus Precht: Wir haben schwere Polizeiboote. Das sind die großen, die gerade unterwegs sind. Und wir haben Ribs. Das sind Festrumpfschlauchboote mit einem starken Außenbordmotor, einem Schlauch, wie beim Schlauchboot und einen festen Rumpf. Mit den Ribs fahren wir hauptsächlich wenn das Wetter gut ist, wir schnell irgendwo hinwollen oder der Wasserstand niedrig ist.

Merle: Wie wird man Wasserschutzpolizist?
Markus Precht: Zuerst macht man eine normale Polizeiausbildung. Danach ist man meistens eine Weile bei der Bereitschaftspolizei. Dann kann man sich bei verschiedenen Einheiten bewerben: zum Beispiel bei der Hubschrauber-, Reiter- und Hundestaffel oder eben bei der Wasserschutzpolizei.

Luis: Muss man schwimmen können?
Markus Precht: Ja, jeder Polizist muss schwimmen können. Bei der Wasserschutzpolizei braucht man zusätzlich das Rettungsabzeichen der DLRG in Silber.

Merle: An den Bodensee grenzen die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. Woher wissen Sie, wo im Wasser die Grenze ist?
Markus Precht: Das mit den Grenzen ist im Bodensee etwas kompliziert. Es gibt eine ganz klare Grenze im Konstanzer Trichter und dann den Rhein hinauf. Die verläuft einfach genau in der Mitte im Wasser. Das nennt man eine Realteilung. So eine Grenze gibt es auch zwischen der Schweiz und Österreich. Und dann gibt es entlang des deutschen und des schweizerischen Ufers noch eine Ausschließlichkeitszone. Sie reicht drei Kilometer in den See hinaus. Hier ist jeweils das angrenzende Land verantwortlich. Aber alles, was dazwischen liegt, gehört eigentlich allen.

Luis: Dürfen Sie auch außerhalb deutscher Gewässer eingreifen?
Markus Precht: Wenn wir ein Boot auf frischer Tat ertappen, dürfen wir es auch in schweizerischen und österreichischen Hoheitsgebiet verfolgen und stoppen. Wir müssen aber den Polizisten dort Bescheid sagen, dass wir das gerade machen.

Luis: Haben Sie schon mal einen Schmuggler erwischt oder eine Leiche im Wasser gesehen?
Markus Precht: Einen Schmuggler habe ich noch nicht erwischt. Aber um die kümmern sich auch die Zollbeamten mit ihren eigenen Booten. Leichen habe ich schon viele gesehen. Das gehört zur Arbeit dazu. Pro Jahr ertrinken 8 bis 15 Personen im Bodensee. Manchmal sind es Unfälle. Oft sind es auch ältere Leute, die beim Baden ohnmächtig werden oder ein anderes medizinisches Problem haben.

Merle: Gibt es Fälle, an die sie sich besonders gut erinnern?
Markus Precht: Ich erinnere mich noch gut an die erste Leiche, die ich gesehen habe. Aber auch an lustige Dinge. Wir haben im Wasser mal ein Wildschwein getroffen. Wildschweine sind sehr gute Schwimmer. Es war auf dem Weg zum gegenüberliegenden Ufer. Wahrscheinlich wollte es seine Liebschaft besuchen. Wir haben es dann an Land getrieben.


Markus Precht Der erste Polizeihauptkommissar leitet die Station der Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen. Schon bevor er vor 14 Jahren dort angefangen hat zu arbeiten, war er sehr viel auf dem Wasser unterwegs. Entweder zum Segeln, Surfen, Kite-Surfen, Tauchen oder Boot fahren. Letzteres macht der 50-Jährige auf dem Bodensee mittlerweile am liebsten.