Hanna will wissen, warum Sie nach dem Film noch eine Serie gemacht haben.
Ralf Kukula: Als der Film im Jahr 2019 herauskam, haben uns viele Menschen berichtet, wie sie die Wende erlebt haben und sich gewünscht, dass wir noch weitere Aspekte davon erzählen. Das wollten wir mit der Serie tun. Wir wollten zeigen, dass die DDR-Bürger auch mal Flüchtlinge waren, die sich großen Gefahren ausgesetzt haben. Und wir wollten von Sophies neuem Leben im Westen erzählen und dem Blick, den die Menschen dort auf den Osten hatten. Für Sophie ist es seltsam, dass ihre neuen Mitschüler denken, dass „da drüben“ alles nur grau war. Für sie war es auch bunt. Sie hat als Kind die Unterdrückung des diktatorischen Regimes gar nicht so mitgekriegt, sondern zusammen mit Fritzi eine tolle Kindheit gehabt. Im Film und in der Serie bekommt man ein gutes Gespür dafür, wie das Leben damals aussah.
Haben Sie dafür viel recherchiert?
Ralf Kukula: Das meiste davon habe ich erinnert. Es war uns wichtig, in dem Film auch auf Dinge zu achten, die auf den ersten Blick nebensächlich erscheinen – etwa, wie damals die Kaffeemaschinen aussahen oder welche Muster die Tapeten hatten. Für ältere Menschen, die damals in der DDR gelebt haben, kommen durch solche Kleinigkeiten viele Erinnerungen hoch. Und jüngere Zuschauer können sich so ein gutes Bild von dieser Zeit machen. Wir haben auch bewusst auf die knalligen Farben verzichtet, die man aus den Animationsfilmen der großen Studios kennt. Wir wollten einen Look finden, der das DDR-Feeling ausdrückt.
Mit „Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ haben Sie 2025 den internationalen Emmy gewonnen, die wichtigste Auszeichnung für Fernsehproduktionen. Was ist für Sie das Besondere an dieser Serie?
Ralf Kukula: Wir wollten zu der Geschichte um Fritzi und Sophie noch eine Serie mit Interviews mit Zeitzeugen machen. Dafür haben wir zwei tolle Reporter gefunden, die Schauspielerin Anna Shirin Habedank und Checker Julian. Die können sich in der Serie in Trickfilmfiguren verwandeln und immer wieder in Fritzis und Sophies Geschichte eintauchen. Wir zeigen auch, wie das technisch geht: Mit bestimmten Anzügen, die ihre Bewegungen aufzeichnen.
Hatte der Hund Sputnik auch so einen Anzug? Benedikt fragt, wie er animiert wurde.
Ralf Kukula: Nein, der wurde von unseren Animatoren von Hand gezeichnet. Das war eine ziemliche Herausforderung, aber hat auch Spaß gemacht!
Rafael möchte gerne wissen, welches Projekt sie als Nächstes umsetzen.
Ralf Kukula: Zur Zeit arbeiten wir an einem weihnachtlichen Roadmovie, der im Erzgebirge spielt, mit geschnitzten Holzfiguren in den Hauptrollen. Und wir planen eine Fortsetzung von „Fritzi und Sophie“, um zu erzählen, wie es in ihrem Leben weitergeht.
Der Film „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ erzählt von Fritzi, die in der DDR lebt, genauer gesagt in der Stadt Leipzig. Sie verbringt den Sommer des Jahres 1989 mit ihrer besten Freundin Sophie und deren Hund Sputnik in ihrem gemeinsamen Baumhaus und schöner könnte das Leben für die beiden nicht sein. Doch dann ist Sophie eines Tages auf einmal nicht mehr da: Sie ist mit ihrer Mutter in den Westen, in die Bundesrepublik Deutschland geflohen. Ihren Hund musste sie dafür bei Fritzi lassen. Fritzi hat große Sehnsucht nach Sophie und setzt alles daran, ihr Sputnik wiederzubringen. Dabei gerät sie immer tiefer hinein in die gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit – und begibt sich sogar in Lebensgefahr.
Geteiltes Land
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die USA, Frankreich, Großbritannien und die damalige Sowjetunion die Kontrolle über Deutschland und teilten es in vier Zonen. Die USA, Frankreich und Großbritannien bestimmten über die westlichen Zonen. Sie wollten, dass ein demokratisches Land mit freien Wahlen und Meinungsfreiheit entsteht. Daraus wurde die Bundesrepublik Deutschland (BRD). Die Sowjetunion kontrollierte die östliche Zone, daraus entstand die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Doch mit „Demokratie“ hatte sie wenig zu tun: Eine Partei bestimmte über das Leben der Menschen, etwa darüber, was in der Schule gelehrt wurde und oder welche Informationen in den Medien verbreitet werden durften. Andere Meinungen konnten bestraft werden, und Reisen war meist nicht erlaubt. Um die Menschen am Weggehen zu hindern, ließ die DDR die Grenze zur BRD schließen und die Berliner Mauer bauen. 1989 protestierten viele Menschen für Freiheit. Die Mauer fiel, und 1990 wurde Deutschland wiedervereinigt.