Sophie: Was macht dir beim Schreiben am meisten Spaß?
Mira Sol: Mir gefällt am besten, dass eigentlich alles möglich ist. Also gut, bei den „Drei !!!“ kann ich nicht schreiben, dass Kim ins Eiscafé fliegt. Das wäre dann eine Fantasy-Geschichte. Aber in einem gewissen Rahmen kann ich mir so viel ausdenken und in eine ganz andere Welt abtauchen. Die Figuren, also zum Beispiel Kim, Franzi und Marie, fangen irgendwann an mit mir zu sprechen. Ich sitze dann da, träume vor mich hin und merke auf einmal, dass sich Kim und Franzi unterhalten und ich sozusagen dabei zuhören kann. Die sagen dann zum Beispiel: „Okay, jetzt lass uns aber mal den Fall noch ein bisschen komplizierter machen. Das ist uns zu langweilig.“
Sophie: Wie sind die drei Detektivinnen entstanden?
Mira Sol: Vor 20 Jahren hatte der Kosmos-Verlag die Idee dazu. „Die drei ???“ gab es schon. Damals hieß es, die Bücher sind vorwiegend für Jungs. Und da kam die Frage auf: Warum gibt es so etwas nicht auch mit Detektivinnen als Hauptfiguren? Dann wurde überlegt, wie das aussehen könnte. Jemand hat eigentlich zum Spaß gesagt: „Und die nennen wir dann ‚Die drei !!!’.“ Nach dem ersten Band „Die Handyfalle“ ging es dann immer weiter, weil das viele Kinder gerne gelesen haben und immer mehr Geschichten wollten.
Sophie: In deinem Buch „Vier Pfoten in Gefahr“ gehen die Detektivinnen nach Wien. Ist das deine Lieblingsstadt?
Mira Sol: Meine Mutter ist Wienerin. Als Kind habe ich viele Jahre in Wien verbracht. Das war sozusagen ein Heimspiel für mich. Ich hatte irgendwann einfach Lust, die Stadt, die ich sehr mag, in einem Buch auftauchen zu lassen.
Sophie: Wie kommst du auf die spannenden Fälle?
Mira Sol: Das ist total unterschiedlich. Ich werde oft von spannenden Orten inspiriert, das war auch bei dem aktuellen Band so. Ich war mit meiner Familie in einer ganz alten Bibliothek. Da waren so Kratzer, und ich habe mir gedacht: Was, wenn da eine geheime Tür ist? Was, wenn dahinter ein Geheimgang ist? Wer treibt da sein Unwesen? Dann entspinnt sich das immer weiter in meinem Kopf. Wir haben in der Bibliothek auch eine Führung gemacht, und uns wurde erzählt, dass die da ein Problem mit Schädlingen haben. Die mussten schauen, wie sie diese Käfer wieder rausbekommen, bevor die die ganze Bibliothek auffressen.
Maria: Es gibt noch mehr Autorinnen, die Bücher über „Die drei !!!“ schreiben. Wie sprecht ihr euch ab?
Mira Sol: Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr hier im Verlag mit der Redaktion. Jede bringt ihre Ideen mit, und zwar für die Kriminalfälle, aber auch für Geschichten über die Freundschaften und die Familien. Da passiert ja auch immer ganz viel und das ist genau abgesprochen. Wenn ihr die Bücher nacheinander lest, so wie sie erschienen sind, werdet ihr merken, dass sich diese Geschichten immer weiterentwickeln. Ich bekomme auch die Bücher, die meine Kolleginnen geschrieben haben, damit ich genau weiß, was passiert ist.
Sophie: In dem Band „Klappe und Action“ spielen die Drei in einem Film mit. Würdest du das auch gerne mal machen?
Mira Sol: Nein. Ich sitze lieber am Schreibtisch, denke mir Geschichten aus und habe dadurch Kino im Kopf. Ich bin da nicht wie Marie – sie würde sofort „ja“ sagen.
Maria: Welcher ist dein Lieblingsfall?
Mira Sol: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten...Es gibt so viele spannende Fälle! Besonders gerne mag ich „Ein echt schöner Fall“ von meiner Kollegin Kari Erlhoff. Mir gefällt das Thema: Muss dieser Schönheitswahn so sein? Und ich finde, der Fall ist superspannend und da sind sehr viele witzige Szenen drin.
Anni: Welche der drei Detektivinnen ähnelt dir am meisten und warum?
Mira Sol: Kim, weil sie gerne liest und auch gerne Süßigkeiten isst. Das kommt mir sehr entgegen. Aber ich mag auch Tiere sehr gerne, so wie Franzi. Deswegen würde ich sagen, ich wäre eine Mischung aus Kim und Franzi.
Anni: In den Büchern steht nie, wo die Drei eigentlich wohnen. Weißt du, wo sie leben?
Mira Sol: Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir eine genaue Stadt nennen oder eine erfinden, so wie zum Beispiel Rocky Beach in „Die drei ???“. Dann haben wir entschieden, es ganz offen zu lassen: Die Geschichten könnten in Stuttgart spielen oder in München oder in jeder anderen Stadt. Da ist viel Platz für Fantasie.
Mira Sol ist nicht der echte Name der Autorin, sondern ein Künstlername. Er ist Spanisch und bedeutet Sonnenblume. Als Kind hat Mira Sol selbst gerne Krimis gelesen, zum Beispiel „Die drei ???“. Als Erwachsene hat sie im Kosmos-Verlag als Lektorin gearbeitet. „Das heißt, ich habe die Texte von Autoren gelesen und korrigiert, und mit ihnen besprochen, was man besser und spannender machen könnte“, erzählt sie. Auch an den ersten Büchern über Kim, Franzi und Marie hat sie so mitgearbeitet. Nach einigen Jahren habe sie dann gedacht: „Ich habe Lust, so etwas selber mal zu schreiben!“ Das hat geklappt und mittlerweile arbeitet sie nur noch als Autorin. Mira Sol lebt mit ihrem Mann und drei Nachbarskatzen, die immer wieder zu Besuch kommen, in Stuttgart.