Carlotta: Was war bis jetzt das schönste Gefühl deiner Biathlon-Karriere?
Julia Tannheimer: Etwas ganz Besonderes war 2025 der Sieg mit der Staffel beim Weltcup in Hochfilzen in Österreich. Wenn wir als Team gewinnen, freuen wir uns zusammen. Das fühlt sich richtig gut an.
Merle: Wie sieht dein typischer Trainingstag aus?
Julia Tannheimer: Eigentlich ziemlich langweilig. Ich stehe so gegen sieben Uhr auf, esse was und trainiere meistens bis 11 Uhr. In der Mittagspause setzte ich mich oft erst mal aufs Sofa. Gegen 15 Uhr beginnt das zweite Training. Um 18 Uhr ist mein Sporttag fertig.
Merle: Hast du auch mal keine Lust zu trainieren?
Julia Tannheimer: Ich bin eine Schönwetter-Sportlerin. Wenn das Wetter eklig ist, bin ich echt ungern draußen. Manchmal muss ich mich dann überwinden. Oder ich gehe in unser Schützenhaus. Da übe ich Schießen, mache Krafttraining oder benutze ein Ski-Ergometer. Da bewegt man sich auf der Stelle und kann Doppelstock ziehen. So heißt die Methode, wenn man sich mit beiden Stöcken gleichzeitig abstößt, um Schwung zu holen.
Carlotta: Was machst du im Sommer?
Julia Tannheimer: Da trainiere ich auch. Sogar deutlich mehr als im Winter. Fürs Ausdauertraining mache ich zum Beispiel Bergtouren, gehe Joggen, Schwimmen, Klettern, fahre Rad und bin ganz viel mit Skirollern unterwegs. Außerdem üben wir oft, unter Ruhe zu schießen. Damit wir immer sicherer treffen.
Merle: Was macht mehr Spaß – Schießen oder Langlauf?
Julia Tannheimer: Die Mischung macht es aus. Nur Langlaufen oder nur Schießen, wäre mir auf Dauer wahrscheinlich ein bisschen zu langweilig.
Carlotta: Das Schießen sieht schwierig aus. Schießt du lieber im Stehen oder im Liegen?
Julia Tannheimer: Stehend zu Schießen ist einfacher, weil man weniger falsch machen kann. Im Liegen muss man auf mehr Dinge achten. Zum Beispiel aus welcher Richtung der Wind kommt, dass man sich immer ähnlich hinlegt und die Atmung stärker kontrolliert.
Carlotta: Welche Sorte Schnee ist für den Wettkampf am besten?
Julia Tannheimer: Echter Schnee. Wenn alles schön beschneit ist und es tolle Loipen gibt, macht es auch am meisten Spaß.
Merle: Was machst du gegen die Aufregung vor einem Wettkampf?
Julia Tannheimer: Mich beruhigt der ganz normale Ablauf. Die Dinge, die vor jedem Wettkampf gemacht werden müssen: Die Startnummer holen, anschießen und sich warm machen. Ein bisschen aufgeregt bin ich dann immer noch, aber das ist voll normal und muss auch so sein.
Merle: Welche Anforderungen musstest du erfüllen, um jetzt bei den Olympischen Winterspielen dabei zu sein?
Julia Tannheimer: Ich musste während des Weltcups entweder einmal zu den acht besten Läuferinnen gehören oder zweimal zu den Top 15. Dann ist die Olympianorm erfüllt. Das hat geklappt.
Carlotta: Was ist dir bei den Olympischen Spielen wichtig?
Julia Tannheimer: Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie das sein wird. Seitdem ich ein kleines Kind bin, träume ich davon, einmal bei den Olympischen Spielen mitzumachen. Deswegen ist es für mich erst mal wichtig, dabei zu sein.
Carlotta: Du wohnst im Schwarzwald. Warst du schon mal im Europa-Park? Welches ist dein Lieblingsfahrgeschäft?
Julia Tannheimer: Ich habe als Kind bei Rennen mitgemacht, bei dem der Gewinner einen Eintrittsgutschein für den Europapark bekam. Dieses Rennen habe ich zweimal gewonnen und war dann im Europapark. Die Achterbahn Blue-Fire hat einen mega Looping. Aber ich finde auch den Silver-Star ziemlich cool.
Merle: Wenn du nicht Biathletin geworden wärst, welcher Beruf hätte dich noch interessiert?
Julia Tannheimer: Wahrscheinlich hätte ich Medizin studiert und wäre Ärztin geworden.
Julia Tannheimer
Geboren am: 1. August 2005 in Ulm
Spitzname: Manche meiner Freunde nennen mich Tanne und meine Eltern Floh
Geschwister: ein Bruder und eine Schwester
Größte Erfolge: Juniorenweltmeisterin (2023 und 2024), Deutsche Meisterin im Sprint (2024), seit 2025 in der A-Nationalmannschaft, Staffelsieg beim Weltcup (2025)
Schulabschluss: Abitur (2024) mit der Abschlussnote 1,1
Hobbies: Mountainbike fahren, Freunde treffen und manchmal Geige spielen
Da würde ich gerne mal Urlaub machen: In Japan. Aber für einen langen Urlaub habe ich gerade keine Zeit.
Motto: Ohne Spaß kommt man nicht weiter.
Mein Lieblingswitz als Kind: Zwei Streichhölzer laufen den Berg hoch. Da kommt ein Igel vorbei. Sagt das eine Streichholz zum anderen: „Ich wusste gar nicht, dass hier auch ein Bus fährt.“