Johnny und Zoé „Meine eigene Stimme zu hören war schrecklich“

Susanne Suchy

„Freunde des Wissens!“ Kennst du diese Worte? Dann bist du wahrscheinlich einer von etwa drei Millionen Zuhörern, die die Podcasts „Wissen mit Johnny“ und „Wissen mit Zoé“ hören. Die Reporter Naya (11), Paul (12) und Jakob (13) haben mit den Geschwistern Zoé und Johnny über ihre Podcasts gesprochen.

Naya: Johnny, wieso machst du nicht mehr Comedy, sondern einen Wissenspodcast?
Johnny: Die Überlegung kam, als ich genau eine Million Follower bei Tiktok hatte. Darauf hatte ich die ganze Zeit hingearbeitet. Aber dann habe ich mich gefragt: „Will ich jetzt zwei Millionen schaffen?“ Ich habe gemerkt, dass das Quatsch ist und entschieden, lieber was Gutes zu machen. Zum Glück haben viele von euch reingehört.

Naya: Zoé, wieso machst du einen Podcast nur über Frauen?
Zoé: Ein bisschen ist das Johnnys Schuld. Von mir aus hätte ich wahrscheinlich keinen Podcast gemacht. Wir haben überlegt, was noch wichtig ist und worüber nicht genug gesprochen wird. Da ich eine Frau bin, hat sich das Thema angeboten.

Jakob: Was gehört für euch zu einem guten Podcast dazu?
Zoé: Es ist superwichtig ordentlich zu recherchieren, damit man keine Halbwahrheiten erzählt. Gerade bei einem Produkt wie unserem muss jede Information stimmen. Außerdem sollte man Spaß dran haben und lieben, was man tut. Das merken die Hörer.

Paul: Nutzt ihr für die Recherche auch Künstliche Intelligenz?
Zoé: Wir benutzen KI, um uns einen Überblick zu verschaffen, weil unsere Themen so unglaublich groß sind. Anschließend lesen wir die Quellen durch, vergleichen sie und prüfen, ob sie seriös sind. Wir haben pro Folge fast immer mehr als 50 Quellen.

Paul: Habt ihr bei den Aufnahmen Lampenfieber?
Zoé: Meine erste Folge habe ich bestimmt 20-mal aufgenommen. Ich musste vor Aufregung mehrmals weinen. Auch meine eigene Stimme zu hören, war für mich ganz schrecklich. Aber nach ein paar Folgen ging das weg. Mittlerweile freue ich mich aufzunehmen.
Johnny: Mir fiel es etwas leichter, weil ich vorher als Radiomoderator gearbeitet hatte. Aber sobald ich weiß, dass jemand in der Nähe ist und zuhört, bin ich auch aufgeregt.

Jakob: Ist es einfacher Dinge zu erzählen, mit denen ihr selbst Erfahrung habt?
Johnny: Ja. Die Folge zu ADHS zum Beispiel war für mich leichter zu machen, weil ich selbst betroffen bin. Ich weiß, wie es ist, wenn einem gefühlt den ganzen Tag ein Flugzeug im Kopf kreist.

Jakob: Ist es bedrückend, Folgen über traurige Themen zu machen?
Zoé: Hundertprozentig. Wenn es um Nationalsozialismus oder Krieg geht, muss ich bei der Recherche immer weinen. Die Aufnahme über Anne Frank musste ich dreimal unterbrechen. Solche Themen nehmen einen schon mit. Umso wichtiger ist es, dass wir darüber sprechen.

Naya: Wieso seid ihr neutral und sagt nicht eure Meinung?
Johnny: Unsere Podcasts sind Produkte der ARD, also des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Da gibt es bei der Vermittlung von Wissen einen Neutralitätsanspruch, Information und Meinung sollten klar unterscheidbar sein. Das heißt, wir dürfen in den Folgen nicht sagen, dass jemand ein Doofkopf ist. Aber spätestens in der Zusammenfassung versuchen wir einfließen zu lassen, wie wir etwas finden.

Paul: Worüber wollt ihr unbedingt eine Folge machen?
Zoé: Ich wollte unbedingt etwas über den Mount Everest machen. Zum Glück haben die Zuhörer das Thema irgendwann gewählt. Bei manchen Themen denken wir immer wieder: Warum wählt sie keiner? Wir wollen sie unbedingt machen! Deswegen bestimmen wir mittlerweile bei jeder zehnten Folge das Thema selbst.
Johnny: Ich will unbedingt was über Vulkane machen. Ich finde die Dinger so cool. Leute, wenn das nicht so gefährlich wäre, würde ich in einem wohnen.

Naya: Zoé, wieso findet man kein Foto von dir im Internet?
Zoé: Ich bin bei den Podcasts für die Recherche verantwortlich und wollte gar nicht, dass jemand weiß, wer ich bin. Auch wenn ich jetzt selbst einen Podcast spreche, möchte ich beim Einkaufen nicht erkannt werden.

Paul: Was haltet ihr von einer Altersbegrenzung bei Social Media?
Johnny: Die Politik muss auf jeden Fall etwas tun. Vor allem für junge Menschen ist es total schwer zu erkennen, was auf Social Media echt ist, was ein Fake, was sie posten können und was besser nicht. Ich bin dafür, Kontrollmechanismen einzuführen. Sie sollen herausfinden, welche Inhalte für Kinder geeignet sind, die jünger sind als 14 Jahre. Eine zeitliche Begrenzung sollte es definitiv geben. Studien zeigen ja schon, dass sich Menschen, die viel Zeit auf Social Media verbringen, schlechter konzentrieren können.


Die Podcasts

Das Bernsteinzimmer, Taylor Swift, der Zweite Weltkrieg, Astrid Lindgren – in den „Wissen mit“-Podcasts wird fast alles erklärt. Welches Thema das nächste ist, entscheiden die Follower jede Woche in einer Abstimmung. Das Thema jeder zehnten Folge bestimmen Johnny, Zoé und ihr Team. Neue Folgen erscheinen sonntags und mittwochs um 23.59 Uhr. Neben mehr als 70 Folgen „Wissen mit Johnny“ und mehr als 20 Folgen „Wissen mit Zoé“, haben sie bereits einen Podcast über Football, eine Live-Show und pro Jahr 450 Videos für Instagram, Tiktok und YouTube produziert. Darüber, was sie als nächstes planen, will Johnny noch nicht zu viel verraten. Aber vermutlich hat es etwas mit Gesundheit zu tun.

Johnny und Zoé

Die Geschwister sind sich einig: „Wir haben uns noch nie gestritten. Nicht mal als Zoé die Wände meines Zimmers mit Textmarker angemalt und meinen Adventskalender leer gegessen hat“, sagt Johnny. Zoé vermutet, „dass das etwas mit unserem großen Altersunterschied zu tun hat.“ Sie ist 25 Jahre alt, Johnny 32. Seine Social-Media-Karriere startete mit Sketchen und Comedy auf Instagram und Tiktok als „dieser.johnny“. Auch der Erfolg der „Wissen mit“- Welt begann dort mit kurzen Videos. 2024 startete Johnny seinen Podcast. Zunächst allein und dann in Kooperation mit Fritz vom rbb. Ende 2025 kam Zoés Podcast dazu. Sie kümmert sich um die Recherche, schreibt Texte, macht Postings und beantwortet Kommentare. In ihrer Freizeit kocht und backt sie fast jeden Tag, malt, puzzelt und ist gerne draußen. Johnny geht oft spazieren, treibt viel Sport, kocht und trifft sich mit Freunden.