Inka und Markus Brand „Das ist ein großes, kreatives Chaos“

Maresa Stölting

Inka und Markus Brand sind Spieleerfinder. Besonders bekannt ist ihre Reihe „Exit“, in der jedes Spiel eine Geschichte erzählt, durch die man sich rätseln muss. Unsere Kinderreporter Anni (11) und Benedikt (10) haben sich schon durch einige Spiele gerätselt – und viele Fragen dazu.

Anni: Wie seid ihr darauf gekommen, Exit-Spiele zu erfinden?
Markus Brand: Der Kosmos-Verlag hatte die Idee, einen Escape-Room für zu Hause zu entwickeln. Das sind so Räume, in die man eingesperrt wird und sich mit Rätseln wieder befreien kann. Als wir gefragt wurden, ob wir diese Spiele entwickeln wollen, haben wir recht schnell zugesagt. Denn kurz zuvor waren wir mit unseren Kindern und der Oma zum ersten Mal in einem Escape Room, und waren davon sehr begeistert.

Benedikt: Wie kommt ihr auf die Ideen zu den einzelnen Themen für die Spiele?
Inka Brand: Im Verlag gibt es einen Redakteur, mit dem wir besprechen, welche Themen cool sein könnten und wozu wir vielleicht auch schon Ideen haben. Die Mitarbeiter im Verlag schauen dann, welche Themen bei den Leuten gut ankommen könnten. So einigen wir uns auf ein paar Vorschläge und dann dürfen wir auch schon loslegen.
Markus Brand: Ab und zu bekommen wir auch mal eine E-Mail von einem Fan. Zum Beispiel kam vor ein paar Wochen eine Nachricht an, dass wir mal ein Exit-Spiel in einer Tropfsteinhöhle machen könnten. Das werden wir auf jeden Fall mal vorschlagen. Wer Ideen hat, kann uns die immer vorschlagen – wir sind für alles offen.

Anni: Was war das erste Exit-Game, das ihr gemacht habt?
Inka Brand: Das war „Die verlassene Hütte“. In dem Spiel gehen wir in eine einsame Hütte im Wald, und auf einmal ist die Tür verschlossen. Da haben wir einen Gastgeber, der uns ganz schön auf die Schippe nimmt, und wir müssen versuchen, das Schloss an der Tür wieder aufzumachen. Das funktioniert, indem man zehn Rätsel löst.

Benedikt: Entwickelt ihr die Spiele bei euch zuhause?
Markus Brand: Ja, am Küchentisch. Da ist immer ein großes, kreatives Chaos. Wenn jetzt Besuch käme, könnten wir ihn nicht reinlassen, weil es ganz unordentlich ist. Das ist immer so: Wenn wir anfangen zu arbeiten und Ideen zu entwickeln, probieren wir alles aus. Was nicht klappt, schieben wir nur zu Seite. Abends wird natürlich wieder aufgeräumt, oder wenn wir etwas essen wollen.

Benedikt: Es sieht also ziemlich wild bei euch aus.
Inka Brand: Hier liegt alles rum: Stifte, Lineal, Papiere ... Beim Exit-Spiel muss ja alles ganz, ganz genau sein: die Zentimetermaße, die Größen, ... Ganz oft muss man etwas falten oder ausschneiden. Bis alles ganz genau passt, haben wir so ein Falträtsel bestimmt 30-mal ausgedruckt. Wir testen die Ausdrucke und merken, dass wir die Linien noch um zwei Millimeter nach links versetzen müssen, drucken wieder alles aus und testen es wieder.

Anni: Habt ihr schon mal ein Rätsel gebaut, das zu schwer war?
Inka Brand: Das macht der Markus regelmäßig. Der hat manchmal ganz verrückte Rätselideen. Die sind so schwer, dass auch ich die nicht lösen kann. Erst bekommt er Ärger, dann machen wir das Rätsel gemeinsam leichter.

Benedikt: Wie lange dauert es, ein Exit-Game bis zum Ende durchzudenken?
Markus Brand: Wenn wir heute anfangen würden, könnten wir in etwa zweieinhalb Wochen den ersten Test machen. Dafür kommen Freunde zu uns. Dabei merken wir zum Beispiel, dass ein Rätsel noch zu schwer ist, und wir mehr Hilfestellung geben müssen. Oder wir stellen fest, dass man etwas viel zu leicht lösen kann. Dann ändern wir das ab, und es gibt den nächsten Test mit neuen Leuten. Nach fünf bis zehn Testrunden schicken wir das Spiel dem Redakteur.
Inka Brand: So schnell geht das aber nur, wenn wir vorher schon viele Ideen notiert haben. Immer, wenn wir eine Idee für ein neues Rätsel haben, schreiben wir das in einem Buch auf. Dort schauen wir nach, welche Rätsel zu unserem neuen Spiel passen könnten.

Anni: Macht ihr die Illustrationen selbst?
Inka Brand: Nein, wir können beide nicht zeichnen. Wir nehmen Grafiken aus dem Internet und arbeiten auch ein bisschen mit Künstlicher Intelligenz. Damit bauen wir eine Art Prototyp, damit man das Spiel testen kann. Den geben wir beim Verlag ab und der beauftragt dann einen Illustrator, der das Ganze neu und schick macht. Es ist aber ganz, ganz wichtig, dass alles an der richtigen Stelle sitzt, damit die Rätsel funktionieren.

Benedikt: Gibt es vielleicht irgendwann die Möglichkeit, die Spiele online zu spielen?
Inka Brand: Nein, bei den Spielen muss man ja immer etwas zerschneiden, anmalen, falten. Da wüsste ich nicht, wie man das online umsetzen kann. Wir mögen es auch sehr, dass man die Spiele zusammen am Tisch macht und das Gemeinschaftserlebnis hat.


Inka und Markus Brand

„Wir haben das große Glück, dass wir unser Hobby zum Beruf gemacht haben“, sagt Markus Brand. Das Ehepaar spielt in seiner Freizeit gerne und sammelt Spiele. Mehr als 6000 besitzen die beiden. Etwa 170 haben sie selbst veröffentlicht, das erste war 2006 „Das große Dinosaurier-Spiel“. Zehn Jahre später kam das erste „Exit“-Spiel auf den Markt. Ihre Spiele wurden mehrfach ausgezeichnet, etwa „Andor Junior“ mit dem Deutschen Kinderspiele-Preis und „Exit – Das Spiel“ zum Kennerspiel des Jahres. Das Ehepaar lebt mit seinen beiden Kindern, Lukas und Emely, in der Nähe von Köln. Ihre Kinder haben auch schon Spiele erfunden: „Mogel Motte“ und „Schummel Hummel“.

Tipps von den Profis

„Exit“-Spiele sind ganz schön knifflig. Diese Tipps von Inka und Markus Brand können beim Knobeln helfen: Achte auf die Altersempfehlung und den Schwierigkeitsgrad. Es gibt Spiele für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis, für Kinder ab 5 Jahren und für Familien. Im Spiel bekommt man meist ein illustriertes Heft und Karten. „Sei schlau, schau genau“, sagt Markus Brand. Denn alles kann für die Lösung der Rätsel wichtig sein: auch die Schachtel oder die Anleitung. Ebenfalls wichtig: auf alle Mitspieler hören. Manche sind laut und forsch, andere leiser. „In den Testrunden sehen wir immer wieder, dass jemand schon die ganze Zeit die richtige Lösung sagt, aber keiner hört hin“, erzählt Inka Brand. Je besser man als Gruppe zusammenarbeitet, desto besser kann man die Rätsel lösen.