Jonas: Was ist das Tolle am Football?
Emmanuel Häfele: Für mich ist an dem Sport besonders, dass man ein richtig großes Team hat. Das sind nicht nur so 10 bis 15 Mann, sondern 50 Leute. Alle kommen aus verschiedenen Familien, haben verschiedene Herkunft und Hautfarben, ganz verschiedene Persönlichkeiten. Das ist für mich etwas ganz Tolles. Und ich mag auch diesen Ausgleich zwischen einem normalen Alltag und dem harten Training.
Matthias: Du hast auch in den USA am College gespielt. Wie war das für dich?
Emmanuel Häfele: Das war eine tolle Erfahrung! Ich habe fast nichts anderes gemacht als zu studieren und Football zu spielen. Innerhalb von den ersten drei Monaten dort habe ich so viel gelernt, wie in den zweieinhalb Jahren zuvor, die ich in Deutschland gespielt habe. In den USA trainiert man noch viel mehr und viel härter, lernt viel mehr Spielzüge. Das war anstrengend, hat aber super viel Spaß gemacht.
Taavi: Wie häufig habt ihr Training?
Emmanuel Häfele: Wir trainieren hier dreimal in der Woche. Meistens mittwochs und freitags, am Samstag wird dann nicht mehr so hart trainiert. Dann geht es eher um den Kopf: Wir gehen die ganzen Spielzüge durch, die wir für unseren kommenden Gegner vorbereitet haben.
Taavi: Wie genau bereitet ihr euch auf die Gegner vor?
Emmanuel Häfele: Wir haben nicht nur Training, sondern bekommen auch sogenannte Voiceovers. Das sind Videos von unseren Gegnern, die unsere Trainer kommentieren. Sie sagen, worauf wir achten müssen und worauf wir uns besonders gut vorbereiten müssen. Diese Videos bekommen wir meist montags. Im Training versuchen wir das dann umzusetzen. Und danach bekommen wir nochmal ein Voiceover, mit einem Video von uns beim Training. Da spricht dann der Coach darüber, wo wir Fehler gemacht haben und wo wir besser aufpassen müssen.
Matthias: Wie aufgeregt bist du vor einem Spiel?
Emmanuel Häfele: Richtig aufgeregt bin ich eigentlich nicht, ich habe auch keine Angst. Ich spüre mehr die Vorfreude, für mich und meine Team-Mates: dass wir die Möglichkeit haben, den Sport zu machen, den wir lieben, und zeigen können, was wir so hart vorbereitet haben.
Jonas: Im Profisport steht man auch viel unter Druck. Wie gehst du damit um?
Emmanuel Häfele: Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, abseits vom Football Druck abzulassen. Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Freundin, meinen Freunden und mit meiner Familie. Dann geht es einfach mal nicht um den Sport, sondern wir spielen Minigolf oder gehen eine Runde spazieren. Das bringt mich zurück in die „normale Welt“. Aber es fühlt sich auch nicht so sehr nach Druck an, wenn man sich gut vorbereitet und weiß, dass man kann, was von einem verlangt wird. Dann steigt das Selbstbewusstsein und man freut sich darauf, das zu zeigen.
Taavi: Was ist dein Plan, wenn du nicht mehr Football spielen kannst?
Emmanuel Häfele: Neben dem Football studiere ich Internationale Soziale Arbeit. Danach möchte ich als Sozialarbeiter in die Flüchtlingsarbeit gehen und Leuten helfen. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, Football-Coach zu werden. Ob das passieren wird, weiß ich noch nicht. Das lasse ich auf mich zukommen. Auf jeden Fall habe ich noch ein paar Jahre Football in meinen Knochen.
Matthias: Denkst du, du kommst mit deinem Team ins ELF-Finale?
Emmanuel Häfele: Ich glaube, wir haben alles, was wir dafür brauchen: die richtigen Team-Mates, die richtigen Coaches, die richtigen Leute im Hintergrund.
Matthias: Wie wäre es für dich, daheim im Stuttgarter Stadion im ELF-Finale zu spielen?
Emmanuel Häfele: Das wäre mega! Vor jeder Saison wünscht man sich, am Ende im Finale zu stehen, egal wo es stattfindet. Aber dass es dieses Jahr in Stuttgart ist, ist etwas Besonderes. Als kleiner Junge war ich oft im Stadion und habe den VfB angefeuert, auch als der VfB 2007 Meister wurde. Da habe ich mir schon vorgestellt, wie es wäre, mal in so einem Stadion zu spielen. Das wäre ein Traum, der in Erfüllung geht.
Emmanuel Häfele Der 26-Jährige spielt seit 2023 bei den Stuttgart Surge auf der Position Tight End. Diese Position ist sehr vielseitig: Man agiert sowohl als Passempfänger, aber auch als Blocker. Zuvor spielte er bei den Biberach Beavers und in den USA College-Football. Emmanuel beschreibt sich selbst so: „Ich habe unendliche Energie, immer. Auch wenn alle fertig sind, kann ich noch rumschreien und die Leute motivieren, Gas zu geben.“ Neben dem Sport studiert er Internationale Soziale Arbeit. Für sein Studium geht er bald ein Jahr ins Ausland. Im nächsten Jahr wird er daher wahrscheinlich nicht für die Surge auflaufen.