Lina: Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?
Andreas: Ursprünglich hießen wir Andy McJoy und Chris Joker. Als wir dann begonnen haben zusammen aufzutreten, wollten wir klar machen, dass wir Brüder sind. Also brauchten wir einen Nachnamen. Unseren richtigen Nachnamen kann man sich schlecht merken. Dann sind wir auf Ehrlich gekommen, denn wir sind ja ehrliche Zauberer. Wir sagen allen Menschen, dass wir gar nicht wirklich zaubern können, sondern dass es eine Illusion ist. So entstand der Name Ehrlich Brothers.
Lina: Wie viele Stunden am Tag übt ihr?
Chris: Wir investieren quasi jede Stunde des Tages in die Zauberei, aber auf verschiedene Weise. Mal sind wir stundenlang in der Werkstatt, mal proben wir auf der Bühne.
Niklas: Welcher Trick macht euch selbst am meisten Spaß?
Chris: Wir haben verschiedene Illusionen, die wir besonders gerne aufführen. Dazu gehört das Erscheinen des Monstertrucks und auf jeden Fall das Herbeizaubern des weltgrößten Süßigkeitenglases.
Lina: In welchen Situationen fallen euch die Tricks ein?
Andreas: Die besten Ideen bekommen wir, wenn wir gerade nicht mit Zaubern beschäftigt sind. Zum Beispiel unter der Dusche, beim Autofahren und meistens abends im Bett. An diesen Orten haben wir deshalb immer Zettel und Stift liegen, oder heute eher das Handy. Aber das sind erst einzelne Ideen. Bis daraus ein fertiger Trick entsteht, dauert es Monate und manchmal auch Jahre.
Enrico: Sind alle eure Ideen umsetzbar oder kommt ihr manchmal an eure Grenzen?
Chris: Nicht alles ist umsetzbar, das ist leider so. Wenn ein Trick auch nach vielen Versuchen nicht klappt, legen wir ihn beiseite. Nach zwei oder drei Jahren fällt uns dann oft doch noch eine Idee für einen neuen Ansatz ein und dann arbeiten wir weiter daran.
Enrico: Gibt es jemanden, der euch bei der Umsetzung der Tricks hilft?
Andreas: Früher haben wir immer alleine gebastelt. Doch irgendwann haben wir gemerkt, dass es Leute gibt, die sich mit manchen Dingen besser auskennen als wir. Autoren wissen, wie man die Geschichte zum Trick schreibt, und Regisseure wissen, wie es gut im Fernsehen aussieht. Wenn wir also eine Idee haben, fragen wir diese Leute, was sie davon halten. Die Entscheidungen, ob und wie wir diesen Trick aufführen, treffen aber immer wir beide.
Niklas: Ist es schon passiert, dass etwas vor Publikum schiefgelaufen ist?
Chris: Meistens merken die Zuschauer gar nicht, wenn etwas schiefläuft. Die Gefahr, dass es auffliegt, ist also nicht so hoch. Aber so ein Fehler auf der Bühne kann gefährlich werden. Vor fünf Jahren bin ich zum Beispiel beim Fliegen runtergefallen, aus drei Metern Höhe. Zum Glück bin ich mit blauen Flecken davongekommen.
Niklas: Was war euer lustigster Bühnenunfall?
Chris: Die lustigsten Dinge passieren bei den letzten Shows unserer Touren. Da spielt die Crew uns immer Streiche. Sie bereiten Sachen vor, von denen wir keine Ahnung haben. Einmal sollte ich eine Frau verschwinden lassen. Statt einer Frau kam dann aber unser schwerster Bühnenhelfer in einem Hochzeitskleid auf die Bühne.
Lina: Gibt es einen Trick in den Shows, den ihr selbst gruselig findet?
Chris: Wir entwickeln gerade die gefährlichste Illusion unseres Lebens, die wir nächstes Jahr im Fußballstadion in Frankfurt präsentieren werden. Bei dem Trick werden wir vor einer drei Meter hohen Flugzeugturbine einen Entfesselungsstunt aufführen. Davor habe ich auf jeden Fall Respekt!
Lina: Wieso streitet ihr euch in den Shows immer so viel?
Andreas: Wir sind ja echte Brüder und wir streiten uns im normalen Leben auch immer mal wieder. Natürlich nicht jeden Tag und nicht so, dass die Fetzen fliegen. Aber ich glaube, jeder, der einen kleinen Bruder hat, weiß, dass es anstrengend sein kann!
Chris: So ein Quatsch! Natürlich mögen wir uns total. Das Streiten auf der Bühne ist natürlich ein bisschen gespielt. Das gehört zu den Geschichten und ist Teil der Shows – aber es entspricht auch unserem wahren Naturell!
Die Ehrlich Brothers Die Brüder Andreas (47) und Chris (43) sind in Herford (Nordrhein-Westfalen) geboren. Mit acht Jahren hat Andreas das erste Mal mit Zauberei experimentiert – mit einem Zauberkasten. Lange waren die Illusionen nur ein Hobby für die Brüder. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden“, erzählt Andreas. Zwei Jahre lang hat er Mathe und Sport auf Lehramt studiert. Auch Chris hatte ursprünglich andere Pläne: Er hat eine Ausbildung als Pyrotechniker, also als Experte für Feuerwerk, gemacht. Mittlerweile stehen sie seit mehr als 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne.