Cornelia Funke „Lasst euch nie entmutigen!“

Tanja Volz

Nach vielen Jahren kehren die „Gespensterjäger“ zurück – diesmal mit einem Weihnachtsspuk. Die Kinderreporter Paul (11), Peter (11) und Kinderreporterin Elly (12) haben mit der Autorin Cornelia Funke auch über Weihnachten gesprochen.

Elly: Was hat Sie zu Ihrem neuen Band der Gespensterjäger inspiriert?
Cornelia Funke: Ich lag auf meinem Sofa, hatte Weihnachtsdeko auf dem Tisch und dachte plötzlich, es gibt einen Geist, der Leute in Weihnachtsdeko verwandelt. So kommen Ideen oft zu mir, als würden die Geschichten über meinen Tisch spazieren. Das muss ich dann aufschreiben.

Elly: Haben Sie eine bestimmte Weihnachtstradition?
Cornelia Funke: Im Laufe der Jahre haben sich die Traditionen an Weihnachten oft verändert. Ich habe immer einen Treibholzbaum, das habe ich von Pettersson und Findus abgeschaut. Dieser Baum ist aus Treibholz vom Meer in Kalifornien und von Olivenbäumen aus der Toskana. Da kann man richtig viel dranhängen! Meine ganze Familie ist weihnachtsverrückt mit viel Deko. Ich feiere mit meiner Familie und Freunden.

Elly: Haben Sie Lieblingsplätzchen?
Cornelia Funke: Ja, die hat meine Großmutter immer gemacht: mit dunkler Schokolade und einem Zitronenzuckerguss. Die heißen bei uns auch Lieblingsplätzchen.

Elly: Sie haben in vielen Ländern gelebt, welche Weihnachtstradition finden Sie am besten?
Cornelia Funke: Das ist schwer zu sagen. Jedes Land hat auf seine Weise schöne Aspekte. Ich lebe in der 3000 Jahre alten Stadt Volterra in Italien. Da wird es schon sehr romantisch über Weihnachten, wenn hier alles geschmückt ist. Aber ich mochte es auch in den USA. Da ist alles sehr viel lauter, mit viel größeren Kugeln und großen Figuren. Auch das fand ich lustig.

Peter: Warum haben Sie angefangen, Bücher zu schreiben?
Cornelia Funke: Ich war eine sehr gelangweilte Illustratorin, das heißt, ich habe die Bilder für andere Geschichten gezeichnet. Aber manche fand ich so langweilig, dass ich selber eine geschrieben habe, in der alles drin war, was ich zeichnen wollte. Ich wollte eigentlich nie Schriftstellerin werden.

Peter: Wie kommen Sie auf Ihre Geschichten?
Cornelia Funke: Die Geschichten kommen zu mir! Und sie kommen in solchen Massen, dass ich eigentlich immer nur entscheiden muss, welche ich als nächstes schreibe. Diese Entscheidung kann manchmal ziemlich schwierig sein. Momentan schreibe ich an vier Geschichten.

Paul: Was machen Sie, wenn Ihnen nichts mehr einfällt?
Cornelia Funke: Das ist mir noch nie passiert. Falls dem so wäre, würde ich wahrscheinlich mit meinen Hunden einen Spaziergang machen und dann würde ich bestimmt etwas sehen, hören oder riechen, was mich zu einer Geschichte inspiriert. Die Welt ist aus Geschichten gemacht, es sind so viele, die können wir gar nicht alle aufschreiben.

Elly: Welches Buch hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Cornelia Funke: Oh, das kann ich wirklich nicht sagen! Ich liebe sie alle auf unterschiedliche Weise. Ich habe einige Lieblinge, die vielleicht nicht so bekannt sind – wie beispielsweise „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“...

Elly: ... den liebe ich auch! Woher hatten Sie denn diese lustige Idee?
Cornelia Funke: Vor vielen Jahren stand in der Straße in Hamburg, in der ich damals wohnte, eine Weile ein Bauwagen. Eines Abends, es hat geschneit, brannte dort Licht hinter dem Fenster. Das fand ich seltsam, wer sitzt abends spät noch in einem Bauwagen? Bauarbeiter doch wohl kaum. Und so kam mir die Idee, dass vielleicht der Weihnachtsmann vom Himmel gefallen sein könnte, mitsamt einem solchen Bauwagen.

Peter: Wenn Sie schreiben, sitzen Sie dann in alleine in einem Zimmer, hören Sie dabei vielleicht etwas an?
Cornelia Funke: Manchmal höre ich Musik, beim Schreiben allerdings nur klassische Musik. Nichts mit Gesang, das lenkt mich zu sehr ab. Das kann ich nur beim Malen oder Illustrieren. Am Schreibtisch sitze ich aber eher nicht. Ich schreibe an ungewöhnlichen Orten, draußen oder auch auf dem Sofa. Ich liebe die Abwechslung im Leben, auch beim Schreiben.

Peter: Waren Sie in der Schule gut in Deutsch?
Cornelia Funke: Ich habe bei Aufsätzen immer viel zu viel geschrieben oder das Thema verfehlt! Ich hatte mal eine Deutschlehrerin, die sagte, dass ich zwar den besten Aufsatz der Klasse geschrieben hätte, aber das Thema verfehlt. Sie wollte mir eine Drei geben. Da hat dann die ganze Klasse protestiert. Was immer sie euch in der Schule sagen: Lasst euch nicht entmutigen, falls jemand denkt, eure Geschichten sind schon wieder am Thema vorbei oder zu lang.

Peter: Haben Sie ein Lieblingsbuch Ihrer eigenen Bücher?
Cornelia Funke: Das ist schwer zu sagen. Ich habe gerade mein erstes Sachbuch über Motten geschrieben. Das hat mir sehr gefallen, so etwas hatte ich noch nie gemacht. Plötzlich musste ich etwas schreiben, das sich ganz genau an die Tatsachen hielt.

Paul: Durften Sie bei den Verfilmungen Ihrer Bücher mitreden?
Cornelia Funke: Bei den meisten Filmen durfte ich viel mitreden. Bei der einen oder anderen Verfilmung, etwa bei den Drachenreitern, habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. So schlecht, dass ich am Ende meinen Namen wegnehmen ließ.


Cornelia Funke: Eigentlich wollte Cornelia Funke Astronautin werden. Zusammen mit ihrem Vater hatte sie die Mondlandung im Fernsehen gesehen. Doch zum Glück für all die Kinder und Jugendlichen blieb sie doch am Boden und hat sehr viele spannende und unterhaltsame Bücher geschrieben – da tummeln sich nicht nur Gespenster, auch Drachen und Feen, traurige Ritter und trotzige Prinzessinnen, und jede Menge Tiere. Die Autorin ist 67 Jahre alt, sie hat zwei Kinder und ist mittlerweile begeisterte Oma. Sie ist viel auf der Welt herumgekommen: Sie ist in Drosten (Nordrhein-Westfalen) geboren und hat lange in Hamburg gewohnt. Dann hat sie jahrelang in den USA gelebt, hauptsächlich in Kalifornien. Vor einigen Jahren ist nach Volterra in Italien umgezogen, auf einen großen Bauernhof mit Olivenbäumen. Dort arbeitet sie mit jungen Künstlern und Künstlerinnen und unterstützt diese.