Bodensee Quagga-Muschel macht Probleme

Tanja Volz

Eigentlich gehört sie hier gar nicht hin: Die Quagga-Muschel vermehrt sich im Bodensee explosionsartig.

Eingeschleppt wurden die etwa vier Zentimeter langen Muscheln vor rund zehn Jahren aus dem Schwarzmeerraum durch Boote, an denen sie sich festgesetzt hatten. Manche Stellen des Sees haben die Tiere inzwischen komplett überwuchert. Vergangene Woche haben sich Fachleute bei der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) getroffen, um zu beraten, wie man das Problem in den Griff bekommen könnte. Für die Tiere und Pflanzen im See ist die fremde Muschel eine große Bedrohung. Viele Seebewohner fressen Plankton, genau wie die Quagga-Muscheln. Aber weil diese immer mehr werden, bleibt für andere Arten nicht genug übrig. Manche sind bereits aus dem See verschwunden. Zudem ist nicht ganz klar, ob Pflanzen dort noch wachsen können, wo sich die Muscheln ausbreiten. Falls Pflanzen verschwinden, wäre dies auch ein Riesenproblem. Denn wie Pflanzen an Land, produzieren auch Wasserpflanzen Sauerstoff. Auch Fische brauchen Pflanzen als Lebensraum.

Was tun?

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sollen nun herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt, die Quagga-Muschel aufzuhalten. Dafür hat die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) eine Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie man die Muschel-Plage stoppen kann. Die Forscher hoffen auf Hilfe aus dem Wasser: „Karpfenartige Fische wie das Rotauge können die Quagga-Muschel knacken“, sagt IBK-Chef Florian Hassler. Aber: Kormorane, das sind Vögel, lieben diese Art von Fischen. Es könnte also passieren, dass die Fische gefressen werden, bevor sie sich die Muscheln schnappen. Wichtig sei zudem, so sagen Forschende, die Touristen am See zu informieren: Denn jeder Bootsfahrer, jeder Segler, jeder Taucher, jeder Badegast müsse sich angewöhnen, Schiffskörper, Schwimmringe, Badeutensilien, aber auch Schwimmflossen, Tauchermasken und Taucheranzüge gründlich zu reinigen. Denn die Quagga-Muschel versteckt sich überall!

Trinkwasser aus dem See

An vielen Orten in Baden-Württemberg stammt das Trinkwasser aus dem Bodensee – oder zumindest Teile davon. Seit Jahren macht die Quagga-Muschel den Wasserwerken zu schaffen: Ihre Larven dringen in die Rohre der Wasserwerke ein, wachsen dort zu Muscheln heran und verstopfen Rohre und Filter. Taucher müssen daher immer häufiger die Rohre reinigen. Das ist ziemlich teuer!

Sie breitet sich aus

Die Quagga-Muschel kennen Forschende auch aus anderen Seen: In den USA kennen Forschende das Problem schon länger. So hat die Quagga-Muschel schon vor 20 Jahren in einem riesigen zusammenhängenden Seensystem, den „Great Lakes“, die Tier- und Pflanzenwelt massiv geschädigt. Inzwischen ist die Quagga-Muschel nach Angaben des Umweltbundesamtes in Berlin vom Bodensee bis in den Norden Deutschlands in fast allen deutschen Gewässern zu finden: In den Plöner Seen ebenso wie in der Elbe.