Axel Scheffler „Am Anfang sah der Grüffelo ein bisschen furchterregender aus“

Anne Kraushaar

„Zeichne mal den Grüffelo“: Unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Grüffelo-Tag. Passend dazu hat der Grüffelo-Zeichner Axel Scheffler im Stuttgarter Treffpunkt Rotebühlplatz Kindern gezeigt, wie man sein berühmtes Waldungeheuer auf dem Papier zum Leben erweckt. Die Kinderreporter Linnea (12), Ida (12) und Linus (9) haben ihm im Vorfeld ein paar Fragen gestellt.

Linnea: Was war zuerst da beim Grüffelo-Buch – die Geschichte oder Ihre Bilder?
Axel Scheffler: Zuerst gab es die Geschichte von Julia Donaldson. Ich habe dann die Bilder zum Text gezeichnet und mir das Aussehen des Grüffelos ausgedacht. Den hatte sich die Autorin ursprünglich ganz anders vorgestellt. Aber als sie meine Version des Grüffelo gesehen hat, war sie sofort einverstanden damit.

Linnea: Haben Sie mehrere Versuche gebraucht, um den Grüffelo so zu malen, wie wir ihn heute kennen?
Axel Scheffler: Ich habe mehrere Skizzen von ihm angefertigt, bevor er so aussah, wie er heute aussieht. Am Anfang habe ich ihn zum Beispiel auf allen vieren gemalt und er sah auch ein bisschen furchterregender aus als in der endgültigen Version. Da hat mich dann der Verlag gebeten, ihn ein bisschen freundlicher zu zeichnen.

Linus: Was müssen Sie beachten, wenn Sie Bilder zu einem Buch zeichnen?
Axel Scheffler: Meine Zeichnungen dürfen nicht zu sehr abweichen von der Geschichte. Für den Grüffelo gab es ja zum Beispiel schon einige Beschreibungen im Text: etwa die knotigen Knie oder die großen Hauer. An die musste ich mich halten. Und natürlich mussten auch die Autorin und der Verlag mit seinem Aussehen einverstanden sein. Gleichzeitig habe ich aber auch viel Freiheit, was das Erfinden der Figuren betrifft. Und ich kann Details in die Geschichten hineinmalen, die so gar nicht im Text stehen, etwa Eichhörnchen und Fledermäuse, die im Hintergrund irgendetwas machen oder Höhlenmalereien und Graffitis an den Wänden. Von einem dieser Details hat sich Julia Donaldson sogar einmal zu einer Geschichte inspirieren lassen: Da habe ich dem Grüffelokind ein Spielzeug dazu gezeichnet, ein Männchen aus einem Stock. Davon ist Julia auf die Idee zu der Geschichte „Stockmann“ gekommen, die wir dann ebenfalls gemeinsam als Buch herausgebracht haben.

Linus: Der Grüffelo versteckt sich in fast jedem Ihrer Bücher, das Sie mit Julia Donaldson gemacht haben. Kann es sein, dass er sich ganz schön gerne in den Vordergrund spielt?
Axel Scheffler: Ich weiß nicht, ob der Grüffelo sehr eitel ist. Wahrscheinlich freut er sich einfach, wenn er nicht vergessen wird. Ich habe bei dem Buch „Die Schnecke und der Buckelwal“ damit angefangen, ihn in die Geschichten mit hineinzumalen, da ist ja ein Kind, das den Grüffelo in den Sand zeichnet. Dann hab ich das auch bei einigen anderen Büchern gemacht. Und jetzt suchen die Leute geradezu nach dem Grüffelo. Er ist aber nicht in jedem Buch versteckt, manchmal passt es vom Stil her nicht.

Ida: Sind Sie zufrieden damit, wie bekannt der Grüffelo geworden ist?
Axel Scheffler: Einerseits freue ich mich natürlich, dass der Grüffelo so populär ist und von Kindern auf aller Welt geliebt wird. Andererseits hatte ich eigentlich gar nicht geplant, so berühmt zu werden und ein Wesen zu schaffen, das alle kennen. Manchmal sind die Leute richtig aufgeregt, wenn sie mich treffen und dann denke ich, dass ich eigentlich lieber ein ganz normales Leben führen würde.

Ida: Wollten Sie eigentlich schon als Kind Illustrator von Büchern werden?
Axel Scheffler: Als Kind wusste ich noch gar nicht, dass das ein Beruf ist! Auf diese Idee bin ich erst gekommen, als ich als junger Erwachsener nach England gezogen bin, um dort an einer Kunstschule studieren. Mein Wunschtraum als Kind war es eher, ein berühmter Fußballspieler oder Tierforscher zu werden.


Axel Scheffler wurde 1957 in Hamburg geboren. Er lebt und arbeitet seit über 40 Jahren in London. Besonders bekannt ist er für seine Zusammenarbeit mit der britischen Autorin Julia Donaldson, mit der er im Jahr 1999 das Bilderbuch „Der Grüffelo“ herausbrachte. Die Geschichte um das leicht tölpelhafte Waldmonster hat sich seither über 18 Millionen Mal weltweit verkauft und wurde in mehr als 113 Sprachen und Dialekte übersetzt. Seither haben die beiden viele weitere Kinderbuchklassiker herausgebracht, etwa „Räuber Ratte“, „Stockmann“ oder „Die Schnecke und der Buckelwal“.

Grüffelo Die Tiere im Wald kennen es nicht, dieses seltsame Wesen, von dem ihnen die Maus erzählt: Schreckliche Hauer soll es haben, knotige Knie, grässliche Tatzen, feurige Augen und Stacheln am Rücken „da wird’s einem bang“. Anders als die Tiere im Wald wissen die Kinder auf aller Welt bei dieser Beschreibung natürlich sofort, von wem da die Rede ist: Dem Grüffelo natürlich, jenem Fabelwesen, das sich die Maus nur ausdenkt, um die anderen Tiere in die Flucht zu jagen, bis sie ihm schließlich – „oh!“ – tatsächlich gegenübersteht. Geschrieben hat die Geschichte die britische Autorin Julia Donaldson. Die Bilder dazu hat der Illustrator Axel Scheffler gezeichnet.