Finja: Freust du dich immer noch jedes Mal, wenn du ein Tor wirfst?
Antje Döll: Schon, ja. Ein Tor ist auch immer eine Leistungsbestätigung. Über manche Tore freut man sich aber natürlich mehr als über andere.
Matti: Welches Tor war dein wichtigstes Tor?
Antje Döll: Eins meiner wichtigsten Tore habe ich in der letzten Saison bei einem Spiel gegen den Thüringer Handball Club geworfen. Bei einem Auswärtsspiel stand ich unter viel Druck, als ich den letzten Siebenmeter reinmachen musste. So haben wir dann auch das Spiel gewonnen.
Finja: Hast du ein Ritual vor jedem Spiel?
Antje Döll: Ja. Ich putze vorher immer meinen Ball. Wir spielen mit Harz, damit der Ball griffiger wird. Dann ist er dementsprechend dreckig. Das Putzen gibt mir ein bisschen Zeit für mich um runterzukommen.
Felix: Warum trägst du die Trikotnummer 59?
Antje Döll: Als Kind habe ich mir die 5 auf dem Trikot ausgewählt und es seitdem auch immer geschafft, sie beizubehalten. Mit dem Vereinswechsel habe ich mich jetzt für die 59 entschieden, denn die 5 war leider schon weg. Die 29 bei der Nationalmannschaft habe ich, weil mein Mann Jan bei den Lurchis in Kornwestheim auch die Nummer 29 trägt.
Felix: Was ist deine Rolle als Teamkapitänin der Nationalmannschaft?
Antje Döll: Ich bin der verlängerte Arm des Trainers. Ich versuche ein Auge auf die Spielerinnen zu haben, schaue wie es ihnen geht und was ich für sie tun kann.
Felix: Was gibst du an die jüngeren Spielerinnen weiter?
Antje Döll: Sie sollen vor allem Spaß aber auch den Willen haben, Ziele im Handball zu erreichen. Außerdem darf man nicht davor scheuen, Tipps und Rat zu holen. Da sind Spielerinnen wie Trainer immer hilfsbereit, um einen voranzubringen.
Finja: Wie unterscheidet sich das Nationaltraining vom Vereinstraining?
Antje Döll: Mit der Nationalmannschaft haben wir nicht so viel Zeit zusammen, deswegen ist das Training etwas zielgerichteter. Im Vereinstraining hat man einfach viel mehr Zeit, um zum Beispiel an Würfen oder Spielzügen zu arbeiten.
Felix: 2024 warst du bei den Olympischen Spielen in Paris. Was hat dir dort am meisten gefallen?
Antje Döll: Die ganze Atmosphäre, die Olympia mit sich bringt, ist toll. Man wohnt in einem Dorf mit den erfolgreichsten Sportlern dieser Welt und sitzt beim Mittagessen zusammen mit Stars wie dem Tennisprofi Carlos Alcaraz oder plaudert mit der Turnerin Simone Biles.
Felix: Willst du noch mal bei den Olympischen Spielen dabei sein?
Antje Döll: Das würde ich mir sehr wünschen. Die nächsten Spiele sind erst 2028, da bin ich noch mal ein Stück älter. Aber wenn ich mich fit halte und weiter meine Leistung bringe, dann hoffe ich sehr, dass ich in Los Angeles dabei bin.
Matti: Bist du schon aufgeregt vor der WM?
Antje Döll: Aufgeregt bin ich noch nicht, aber ich freue mich sehr, dass wir in einer heimischen Halle um den WM-Titel spielen. Die Nervosität kommt eher kurz vor dem Spiel.
Finja: Wie wichtig ist der Teamzusammenhalt vor solch einem großen Turnier?
Antje Döll: Sehr wichtig. Wir sind nur im Team stark. Deshalb ist es wichtig, dass wir auf dem Feld zusammenhalten und gemeinsam ein Ziel und eine Richtung vor Augen haben.
Finja: Welche Gegnerinnen sind deiner Meinung nach besonders stark?
Antje Döll: Die Norwegerinnen sind gut. Dort spielt die aktuelle Welthandballerin Henny Reistad, die einfach alles kann. Die Französinnen sind mit ihrer Athletik stark und schwer zu schlagen. Ansonsten glaube ich, dass wir an einem guten Tag jeden schlagen können.
Matti: Was denkst du – wie weit kommt ihr bei der WM?
Antje Döll: Wir wollen das Viertelfinale erreichen und das Ziel ist es dann auch, das zu gewinnen. Dann würden wir das Halbfinale spielen – und dann wäre auch eine WM-Medaille drin.
Antje Döll Antje Döll ist in der Nähe von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) aufgewachsen. Mit sechs Jahren hat sie angefangen, Handball zu spielen, mit zwölf Jahren kam sie auf ein Sportinternat in Magdeburg. Seitdem gehört Training zu ihrem Alltag. Ob Kraft, Ausdauer oder Übungen auf dem Spielfeld: Irgendwas steht immer auf dem Programm. Und das zahlt sich aus: Ihr schnellster Torwurf wurde mit 95 Kilometern pro Stunde gemessen! 2024 war die 37-Jährige bei den Olympischen Spielen in Paris dabei und kämpfte sich mit der deutschen Nationalmannschaft bis ins Viertelfinale. Neben ihrer Handballkarriere arbeitet sie als Kommissarin bei der Kripo in Ludwigsburg. Dort bearbeitet sie zum Beispiel Erpressungsfälle. „In seltenen Fällen bin ich auch mal bei einer Durchsuchung dabei“, erzählt sie.