Anna Ruhe „Ich dachte, nur alte Leute sind Autoren“

Maresa Stölting

In einigen von Anna Ruhes Büchern kommen viele magische Gerüche vor. Unsere Kinderreporterinnen Elly (12) und Katharina (10) kennen vor allem „Die Duftapotheke“. Sie wollten von der Autorin wissen, welchen magischen Duft sie selbst gerne versprühen würde.

Katharina: Hast du dich schon als Kind für Bücher interessiert?
Anna Ruhe: Ja, total. Gegenüber von meiner Grundschule war eine kleine Bibliothek, da bin ich immer hingegangen. Ich habe nicht alles gelesen. Aber das, was ich mochte, habe ich immer, immer wieder gelesen, zum Beispiel „Ronja Räubertochter“ und „Momo“.

Elly: Was mochtest du an den Büchern so gerne?
Anna Ruhe: An „Ronja Räubertocher“ fand ich unglaublich toll, dass es im Wald spielt. Ich bin ein Großstadtkind – ich bin mitten in Berlin groß geworden. Der Wald war für mich so ein Sehnsuchtsort. Das, was ich selbst nicht hatte, habe ich mir durch die Bücher nach Hause geholt. Und an „Momo“ fand ich die Hauptfigur so beeindruckend. Momo war einfach so ein besonderes Mädchen, dass ich immer dachte: Mit ihr würde ich wahnsinnig gerne befreundet sein.

Katharina: Wolltest du auch schon als Kind Autorin werden?
Anna Ruhe: Wenn ich gewusst hätte, dass das ein Beruf sein kann, bestimmt. Aber damals gab es noch keine Lesungen oder Begegnungen mit Autoren. Das, was ich immer hinten in den Büchern gesehen habe, waren kleine Schwarz-Weiß-Fotos von sehr alten Menschen. Deshalb dachte ich als Kind, das kann man erst machen, wenn man 80 Jahre alt ist.

Katharina: Gibt es Zeiten, in denen du keine Ideen mehr hast? Was hilft dir dann?
Anna Ruhe: Klar habe ich solche Tage. Manchmal ist man schlecht gelaunt, hat keine Lust und findet alle Ideen doof. Dann hilft es mir sehr, mich mit anderen Menschen zu treffen, die auch schreiben. Oder eine Runde in den Wald zu gehen. Oder Quatsch mit meinen Kindern zu machen. Meistens kommen die Ideen dann ganz von alleine wieder.

Elly: Was macht dir am meisten Spaß am Schreiben?
Anna Ruhe: Genau der Moment, vor dem viele so große Angst haben: Wenn das weiße Blatt vor mir liegt und ich anfangen kann. Das ist für mich der tollste Moment.

Katharina: Schreibst du erst einen Plan oder legst du einfach drauf los?
Anna Ruhe: Früher habe ich drauflos geschrieben. Mein erstes Buch habe ich mir im Grunde selbst erzählt und dachte: Das ist doch total langweilig, wenn man vorher alles plant. Ich dachte, das ist so, wie wenn man ins Kino geht, und der Kartenabreißer sagt: „Erst passiert das, dann passiert das und am Ende geht es so und so aus. Viel Spaß!“ Aber mittlerweile schreibe ich sehr viel und mache mir deshalb auch vorher einen Plan. Schon aus dem Grund, weil ich erst dem Verlag eine Idee vorstelle und dann ein grobes Konzept dazu mache. Danach fange ich erst an zu schreiben. Früher habe ich erst das Buch geschrieben und es dann an den Verlag geschickt.

Katharina: Hast du Tipps für Kinder, die auch gerne Bücher schreiben wollen?
Anna Ruhe: Ganz, ganz, ganz viel lesen. Und dann ganz, ganz, ganz viel schreiben. Und sich nicht davon ins Bockshorn jagen lassen, wenn das irgendjemandem nicht gefällt – das ist der wichtigste Tipp! Gerade wenn man anfängt, muss man ja viel üben und lernen. Das ist wie beim Geigespielen: Die ersten Töne, die rauskommen, sind meistens nicht die besten. Man muss sie oft machen, dann werden sie richtig gut.

Elly: Welchen Duft aus der Duftapotheke würdest du gerne mal ausprobieren und an wem?
Anna Ruhe: Das wäre natürlich das „Empathische Odeur“, Empathie bedeutet Mitgefühl. Den Duft würde ich großflächig versprühen, weil ich glaube, dass unsere Welt das gerade nötig hat.

Katharina: Wie bist du auf die Idee gekommen, das Buch „Luzie Alvenstein“ zu schreiben?
Anna Ruhe: Zwischendurch habe ich in „Die Duftakademie“ über Ella geschrieben. Aber viele Kinder haben mich gefragt, wie es denn mit Luzie aus „Die Duftapotheke“ weitergeht. Deswegen habe ich mich entschieden, ganz direkt über Luzie zu schreiben – die Duftapotheke tritt ein bisschen in den Hintergrund, und sie als Hauptfigur mehr in den Vordergrund. Darum habe ich das Buch auch nach ihr benannt. Und diejenigen, die „Die Duftapotheke“ nicht kennen, können nun auch mit diesem Buch einsteigen.

Katharina: Wenn du einen anderen Beruf ausüben würdest, welcher wäre das vermutlich?
Anna Ruhe: Als ich in eurem Alter war, hatte ich ganz viele Berufswünsche: Ich wollte Tauchlehrerin werden, dann am Theater Maskenbildnerin. Als ich dort später ein Praktikum gemacht habe, dachte ich: Nein, ich will Bühnenbilder entwickeln. Dann wollte ich Fotografin werden und Meeresbiologin. Das finde ich bis heute unglaublich spannend und würde es immer noch wahnsinnig gerne machen. Mittlerweile würde ich auch sagen, Parfümeurin ist ein toller Job. Aber dafür muss man Chemie studieren und eine lange Ausbildung machen. Ich denke, dafür ist der Zug mittlerweile abgefahren.


Anna Ruhe Bevor die gebürtige Berlinerin angefangen hat, Kinderbücher zu schreiben, arbeitete sie als Grafikdesignerin. Als sie ihren ersten Sohn bekam, hat sie viel Zeit damit verbracht, ihn im Kinderwagen durch den Park zu schieben, bis er einschlief. Da begann sie, sich selbst eine Geschichte zu erzählen, die sie als Kind immer selbst lesen wollte – eine Unterwasser-Abenteuergeschichte. Daraus ist das Buch „Seeland“ entstanden, das 2015 erschienen ist. Seitdem hat sie viele weitere Bücher veröffentlicht, darunter auch „Maxi von Phlip“ und „Mount Caravan“. Die Autorin hat zwei Söhne (14 und 16 Jahre alt).